Wissen · Satz 06
Bei uns weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut
Mittwochfrüh ruft der Kunde an. Er lacht sogar: Vor seinem Haus stehen gerade zwei von deinen Autos. Die Montage setzt die Fenster, der Techniker nimmt Maß für die neue Haustür. Zwei Termine, ein Haus, keiner wusste vom anderen.
Du entschuldigst dich, legst auf — und sagst den Satz, der an solchen Tagen immer kommt: Bei uns weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut.
Stimmt. Schau nur hin, woran beide Hände hängen.
Warum weiß bei uns keiner, was der andere gerade macht?
Weil jede Information in deinem Betrieb denselben Weg nimmt: zu dir. Der Verkauf meldet dir, die Fertigung meldet dir, die Montage meldet dir — untereinander ist nichts verdrahtet. Was ein Bereich vom anderen wissen müsste, liegt bei dir und wartet, bis du es weitergibst. Meistens tust du das. Manchmal nicht. Das reicht.
Bei zehn Leuten war das die beste Lösung der Welt: eine Halle, alles auf Zuruf, der kürzeste Weg zwischen zwei Leuten warst du. Heute sind es 40 in drei Bereichen — gewachsen ist alles, nur die Wege sind die alten. Sternförmig verdrahtet, würde dein Elektriker sagen: Alle Leitungen enden bei dir.
Dabei halten deine Leute nichts zurück. Der Verkäufer hat die Terminverschiebung ja gemeldet — dir, Montagabend, zwischen Tür und Angel. Für ihn war die Sache erledigt — so läuft es seit Jahren. Nur warst du Montagabend bei der Bank und Dienstag in Wels. Mittwoch standen zwei Autos vor einem Haus.
Die Information ist nicht verloren gegangen. Sie ist bei dir liegen geblieben.
Mit zwei Lagern, die einander nichts gönnen, hat das nichts zu tun: Deine Leute mögen sich. Deine Abteilungen arbeiten aneinander vorbei, weil zwischen ihnen keine Leitung liegt.
Was kostet es mich, wenn die Bereiche aneinander vorbeiarbeiten?
Rechne bei 40 Leuten mit rund 25.000 € im Jahr. Drei Posten: Zusagen, die die Fertigung mit Express und Überstunden ausbadet — 13.200 €. Leerfahrten und Stillstand, weil eine Änderung nicht ankam — 7.000 €. Doppelt bestellt, doppelt gemessen, doppelt beim Kunden angerufen — 4.800 €. Nichts davon ist ein Drama. Es summiert sich nur.
Die Zusagen zuerst. Einmal im Monat verspricht der Verkauf etwas, das die Fertigung erst aus dem Auftrag erfährt — ein Liefertermin, eine Sonderausführung, ein „das schieben wir noch dazwischen". Halten lässt es sich meistens, aber nur mit Expresszuschlag, umgeworfener Planung und einem Samstag in der Halle: im Schnitt 1.100 € pro Fall, zwölfmal im Jahr.
Die Leerfahrten: zehnmal im Jahr fährt eine Kolonne los oder steht, weil eine Änderung nicht angekommen ist — drei Mann, ein halber Vormittag, die Anfahrt obendrauf, rund 700 € pro Fall. Und die Doppelarbeit: einmal im Monat wird bestellt, was hinten im Lager liegt, oder derselbe Kunde zum zweiten Mal angerufen, je rund 400 €.
Der Kunde mit den zwei Autos steht nicht in der Rechnung. Der erzählt die Geschichte nur gern weiter — beim Stammtisch, an dem auch deine nächsten Aufträge sitzen.
Woran merke ich, dass alles nur über mich läuft?
Schau heute Abend auf deine Anrufliste. Zähl die Gespräche, in denen dir jemand etwas gesagt hat, damit du es einem anderen sagst. Ab drei an einem Tag führst du nicht mehr — du leitest weiter. Dasselbe im Posteingang: Steht dein Name in jedem Verteiler „zur Sicherheit", bist du die Sicherung. Und die glüht.
Die Information ist nicht verloren gegangen. Sie ist bei dir liegen geblieben.
In Betrieben stelle ich gern eine Kontrollfrage: Wer außer dem Chef hat die Nummern vom Montageleiter und vom Verkauf im Telefon? Erstaunlich oft: niemand. Vierzig Leute, ein vollständiges Adressbuch. Deins.
Oder die Montagsrunde. Wenn du der Fertigung erzählst, was die Montage vorhat, und der Montage, was der Verkauf verkauft hat, bist du die Nachrichtensendung deines Betriebs. Fällt die Sendung aus, erfährt niemand etwas.
Wenn es passen soll, machst du es selbst — und wenn es ankommen soll, muss es über dich. Dasselbe Muster, derselbe Engpass.
Wir reden doch jeden Montag — warum kommt trotzdem nichts an?
Weil im Montagsmeeting dasselbe Muster sitzt, nur mit Tisch: Jeder berichtet dir, du fasst zusammen, du verteilst. Das ist keine Querverbindung zwischen deinen Bereichen — das ist dein Kopf mit Sitzordnung. Und was am Dienstag passiert, wartet wieder eine Woche. Oder auf dich, am Gang, zwischen zwei Telefonaten.
Ich habe Runden erlebt, in denen drei Sätze quer über den Tisch gingen — und vierzig zu dir. Das Meeting bestätigt jede Woche nur, wer der Verteiler ist.
Und die Software-Hoffnung? Ein ERP ändert den Kanal, nicht die Richtung: Deine Leute tragen ein, was du sehen willst — nicht, was der andere Bereich braucht. Derselbe Stern, nur digital und mit Lizenzgebühr.
Wie kommt die Information von der einen Hand in die andere?
Nimm dich aus der Leitung. Such die eine Information, deren Verspätung dich heuer am meisten gekostet hat — bei den meisten Betrieben ist es die Terminänderung — und gib ihr einen festen Empfänger im anderen Bereich. Ab sofort geht sie direkt dorthin. Du stehst in Kopie, nicht mehr dazwischen.
Konkret: Die Terminänderung geht ab jetzt vom Verkauf direkt an den Montageleiter — schriftlich, am selben Tag, du liest mit. Und der Verkauf sagt keinen Termin mehr zu, ohne vorher zwei Minuten mit der Fertigung telefoniert zu haben. Zwei Minuten, gegen 1.100 € pro verunglückter Zusage.
Der zweite Handgriff: Deine beiden Bereichsleiter telefonieren jeden Dienstag zehn Minuten miteinander. Ohne dich. Was die zwei zu besprechen haben, hast bisher du hin- und hergetragen.
Schwer wird das nicht für deine Leute — schwer wird es für dich. In Kopie stehen fühlt sich an wie Kontrollverlust. Dabei siehst du weiter alles; du bist nur nicht mehr die Bedingung dafür, dass es ankommt.
In drei Wochen liest du ein Gespräch mit, das ohne dich stattgefunden hat. Nichts hat gebrannt. Lass es laufen. Die rechte Hand lernt gerade, wo die linke ist.
Wo hängt die Information bei dir gerade fest?
Eine Jahreszahl für deinen eigenen Betrieb liefert dir der Führungskostenrechner in wenigen Minuten — auf Basis deiner Mitarbeiterzahl und deines Umsatzes. Willst du die Verdrahtung danach neu legen, zeichnen wir in der Klarheits-Session deinen Informations-Stern komplett: welche Meldung wo hängen bleibt, was sie dich kostet und welche du als Erste direkt legst.